Angabe der Person
von Elfriede Jelinek
Landestheater Niederösterreich
Premiere: 09.05.2025
Inhalt
Die Nobelpreisträgerin und Schriftstellerin Elfriede Jelinek soll Steuern hinterzogen haben? Ausgangspunkt von „Angabe der Person“ ist eine wahre Begebenheit rund um ein – mittlerweile eingestelltes – Ermittlungsverfahren der deutschen Steuerbehörden gegen Elfriede Jelinek. Es geht um die strittige Frage der Doppelbesteuerung, da sie abwechselnd in Wien und bei ihrem Ehemann in München lebt. In dem autobiografisch inspirierten Stück beschreibt Jelinek, wie die „Diener des Staates“ ihre Wohnung durchsuchen, um nachzuweisen, ob sie als Schriftstellerin in Deutschland steuerpflichtig sei. Die Beamten durchkämmen die Wohnung, dringen in ihre Intimsphäre ein. Persönliche Dokumente werden besichtigt, private E-Mails gelesen, Festplatten geprüft und Rechnungsbelege kritisch beäugt. Diese unfreiwillige Inventur ihrer persönlichen „Lebenslaufbahn“ nimmt Jelinek zum Anlass, um politische Ungerechtigkeiten auf mehreren Ebenen anzuklagen. In ihrem bisher persönlichsten Text ruft Elfriede Jelinek ihre jüdischen Vorfahren väterlicherseits in den Zeugenstand, die durch das menschenfeindliche Verwaltungssystem des nationalsozialistischen Regimes verfolgt wurden. Zugleich spannt sie, entlang von Assoziationen und Wortspielen, einen großen Bogen zum entfesselten Finanzkapitalismus der Gegenwart. Mit den Mitteln ihrer gewaltigen Sprachkunst holt Elfriede Jelinek ihrerseits zu einem literarischen Ermittlungsverfahren gegen legale Steueroasen, globale Geldströme und die Gier des großen Kapitals aus.
Besetzung
Inszenierung: Sara Ostertag
Bühne: Nanna Neudeck
Kostüme: Prisca Baumann
Musik: Mona Matbou Riahi
Dramaturgie: Thorben Meißner
Mit: Bettina Kerl, Julia Kreusch, Laura Laufenberg, Mona Matbou Riahi, Julian Tzschentke
Fotos: ©apolloniatheresabitzan